Vogeluhr: Wer singt wann am Morgen?
Wer im Frühjahr vor Sonnenaufgang draußen ist, hört nicht alle Vögel gleichzeitig. Jede Art hat ihre ungefähre Startzeit – das nennt man Vogeluhr.

Interaktiv · Frühjahr, Morgendämmerung
Vogeluhr: Wer singt schon?
Im Frühjahr beginnen viele Arten in einer recht festen Reihenfolge zu singen, gemessen am Sonnenaufgang. Schieben Sie den Regler: Die Zeilen der Arten, die zu dieser Minute in der Regel schon singen, werden kräftig.
- −80Gartenrotschwanzkurze, wehmütige Strophe
- −70Hausrotschwanzgepresste, kratzende Laute
- −60Rauchschwalbezwitschernd, oft im Stall
- −55Singdrosselwiederholt jedes Motiv 2- bis 4-mal
- −50Rotkehlchenperlend, absinkend
- −45Amseltiefe, flötende Strophen
- −40Zaunkönigsehr laut für seine Größe
- −35Zilpzalpruft seinen Namen
- −30Kohlmeise„zi-zi-bä“, zweisilbig
- −20Stieglitzklirrend, schnell
- −15Starschwatzend, ahmt andere nach
- −10BuchfinkStrophe mit Endschnörkel
Richtwerte: Minuten vor Sonnenaufgang nach der Vogeluhr des NABU (Frühjahr bis Frühsommer). Wetter, Kunstlicht und Lage verschieben die Zeiten um viele Minuten.
Was die Vogeluhr bedeutet
Der Gesang dient vor allem dazu, ein Revier zu markieren und Weibchen anzulocken. Wann eine Art morgens beginnt, hängt stark davon ab, wie empfindlich ihre Augen für schwaches Licht sind: Arten mit großen Augen wie Rotkehlchen und Amsel singen früher, Finken und Sperlinge später.
Die Werte in der Vogeluhr folgen der verbreiteten Darstellung des NABU. Andere Quellen nennen abweichende Minuten – die Deutsche Wildtier Stiftung etwa schreibt, dass sich nicht alle Vögel an diese Reihenfolge halten. Die Uhr ist also eine Faustregel, kein Fahrplan.
Warum die Zeiten schwanken
- Wetter: Bei Bewölkung und Regen beginnt der Gesang später.
- Kunstlicht: In beleuchteten Städten singen Amseln und Rotkehlchen oft deutlich früher, manchmal schon nachts.
- Jahreszeit: Am deutlichsten ist die Reihenfolge von April bis Juni, wenn die meisten Arten Reviere besetzen.
- Lage: Im Tal, am Waldrand oder in der Stadt wird es unterschiedlich früh hell.
Tipps für den ersten Morgen
Die Sonnenaufgangszeit für Ihren Ort steht in jeder Wetter-App. Gehen Sie etwa eine Stunde vorher hinaus, am besten an einen Waldrand oder in einen Park mit alten Bäumen, und bleiben Sie an einer Stelle stehen. Notieren Sie, wann Sie welche Art zuerst hören. Wer Stimmen lernen will, findet bei NABU und BirdLife Österreich Tonbeispiele; abspielen sollte man sie draußen nicht – mehr dazu unter Regeln.
Quellen: NABU-Vogeluhr, Deutsche Wildtier Stiftung · Stand Oktober 2026